Scheideninfektionen unter dem Mikroskop
Beschwerden wie Juckreiz, Brennen oder vermehrter Ausfluss können sehr unterschiedliche Ursachen haben. Ein Blick unter das Mikroskop hilft, Scheidenpilz (Candida), bakterielle Vaginose, Laktobazillenmangel und Veränderungen der Vaginalflora voneinander zu unterscheiden.
Die folgenden mikroskopischen Originalaufnahmen aus meiner gynäkologischen Praxis zeigen typische Befunde einer gesunden und einer gestörten Vaginalflora.
Scheidenpilz (Candida)
Typischer mikroskopischer Befund bei Scheidenpilz (Vaginalcandidose). Sichtbar sind Pilzelemente zwischen den Zellen der Vaginalschleimhaut.
Beschwerden wie Juckreiz, Brennen oder Ausfluss können auf eine Pilzinfektion hinweisen – beweisen sie aber nicht. Die mikroskopische Untersuchung kann helfen, Candida von anderen Ursachen vaginaler Beschwerden zu unterscheiden.
Scheidenpilz stark vergrößert:
die hellrosa Zellen mit den dunkelrosa Punkten sind die Scheidenepithelzellen. Die dicken blauen Striche (rote Pfeile) sind die Pilze. Die dünnen blauen Striche sind Laktobazillen.
Gesunde Vaginalflora – Reinheitsgrad I
Eine gesunde Vaginalflora wird von zahlreichen Laktobazillen (Milchsäurebakterien) dominiert. Sie sorgen für ein saures Scheidenmilieu und bilden einen wichtigen natürlichen Schutz vor Infektionen.
Im Mikroskop sind zahlreiche Laktobazillen zwischen den Zellen der Vaginalschleimhaut erkennbar.
Veränderte Vaginalflora – Reinheitsgrad II
Beim Reinheitsgrad II sind weiterhin schützende Laktobazillen vorhanden, gleichzeitig finden sich jedoch vermehrt andere Bakterien. Die Zusammensetzung der Vaginalflora beginnt sich zu verändern.
Dieser Befund ist nicht automatisch eine behandlungsbedürftige Infektion. Entscheidend sind Beschwerden und der gesamte klinische Befund.
Bakterielle Vaginose – Reinheitsgrad III
Beim Reinheitsgrad III sind schützende Laktobazillen stark vermindert oder fehlen. Stattdessen dominieren andere Bakterien – ein typischer Befund bei bakterieller Vaginose.
Eine bakterielle Vaginose kann Beschwerden wie vermehrten Ausfluss und unangenehmen Geruch verursachen, aber auch symptomlos bleiben. Ob eine Behandlung notwendig ist, hängt vom individuellen Befund und der klinischen Situation ab.
Laktobazillenmangel – Reinheitsgrad 0
Beim Reinheitsgrad 0 fehlen die schützenden Laktobazillen weitgehend, ohne dass typische Erreger einer bakteriellen Vaginose dominieren müssen.
Ein solcher Laktobazillenmangel kann mit einer instabilen Vaginalflora verbunden sein. Entscheidend ist auch hier, ob Beschwerden bestehen und welche weiteren Befunde vorliegen.
Mischinfektion – bakterielle Vaginose und Scheidenpilz
Manchmal treten bakterielle Vaginose und Scheidenpilz (Candida) gleichzeitig auf. Im Mikroskop können dann typische Veränderungen der Vaginalflora zusammen mit Pilzelementen sichtbar sein.
Solche Mischinfektionen zeigen, warum bei wiederkehrenden oder unklaren Beschwerden eine genaue Diagnose wichtig ist – und eine Behandlung „auf Verdacht“ nicht immer zum Ziel führt.
Noch einmal zur Erinnerung
Infektionsdiagnostik: Hier ein unauffälliges mikroskopisches Bild – ein Muss vor jeder Eileiterdurchgängigkeitsprüfung!
SO SOLL ES SEIN!
Ein schöner Reinheitsgrad I, also eine große Anzahl von Laktobazillen. Das wollen wir erhalten. Also Antibiotika bitte nur gezielt einsetzten!